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HILDE-ULRICHS-STIFTUNG FÜR PARKINSONFORSCHUNG | Hilde Ulrichs |Gedicht zum 60. Geburtstag
Lebenslauf von Hildegard Ulrichs in Gedichtsform anläßlich ihres 60. Geburtstages am 5. November 1993 von Hermann Terweiden
Hildegard in Hessen Hilde genannt
kam hoch aus dem Norden ins Hessenland
wo sie sehr schnell bei Heidi eine Bleibe fand
es dauerte garnicht lang - da waren sie zu dritt
denn auch Hermann machte - bei Deutschlands 1. Parkinson-Wohngemeinschaft mit
dieses ist der 1. Grund
in Neu Isenburg zu feiern in fröhlicher Rund
Bis dahin lebte Heidi im 6. Stock ganz kultiviert
jetzt wurde kräftig improvisiert
es wurde Platz geschaffen für 2 Asylanten
die in ihrem bisherigen Leben Platzprobleme nicht kannten
schlief Heidi bisher im eigenen Himmelbett gediegen
so kam sie jetzt im eigenen Wohnzimmer auf Matrazen zum Liegen
dieser Zustand war zu halten nicht auf Dauer
drum lagen Hilde und Hermann nach einer Wohnung auf der Lauer
sie suchten intensiv Land auf Land ab
bis sich mit viel Glück im selben Haus was gefunden hat
ein Adlernest in der 17. Etage
brachte besonders Hilde in Rage
kurz entschlossen wurde das wenige Hab und Gut - mit Einkaufwagen der Fa. Toom
verfrachtet in die höhere Region
dort wird seitdem von vielen Händen
gebastelt, geschraubt und vor allen Dingen gebohrt an den Wänden
so ist zu erkennen langsam Schritt für Schritt
eine Musterwohnung mit Parkinson-Zuschnitt
eindringlich tun wir Euch deshalb kund
daß dies in Neu Isenburg zu feiern der 2. Grund
Endgültig unerläßlich wird Euer Kommen
wenn Ihr den wichtigsten Grund vernommen
es wird eine zünftige Geburtstagsfete geben
der Anlaß ist ein 60-jähriges Leben
erreicht hat die Hilde dies stattliche Maß
drum laßt es uns feiern mit sehr viel Spaß
sie kann Euch erzählen aus einem abwechslungsreichen Leben
wie immer dem einen oder andern Mut und Hoffnung geben
das Hilde etwas Besonderes - sieht man nicht nur an ihren Ohren
sie ist zum Beispiel im selben Haus wie Willy Brandt geboren
ihre Kindheit und Jugend verbracht sie in Westerrade
einem kleinen Nest zwischen Ost- und Nordseegestade
als älteste Bauerstochter von sieben Kindern
säuberte sie häufig den Kuhstall und noch öfter von den Geschwistern den Hintern
so viel es gar nicht schwer
im Tante-Emma-Laden von Malente abzuschliessen die Verkäuferlehr
es war so die Zeit - wo sie sich verliebt - in ihren Mann Klaus
mit ihm zog sie dann vom Land in die Großstadt Hamburg hinaus
es wurde geheiratet und Kinder geboren
in der Arbeit steckte sie über beide Ohren
die Tochter Dagmar ihr ganzer Stolz
ist geschnitzt wie sie aus dem gleichen Holz
sie schnackte hier sie schnackte dort
und war fleißig zu finden an jedem Ort
in der Firma kannte sie ein jeder
vom Hauselektriker bis zum Verleger
couragiert vertrat sie die Interessen der Kollegenschar
auch wenn es nicht immer für sie zum Vorteil war
im Turnverein da hielt sie sich fit
und machte des öfteren bei Bundesturnfesten mit
energiegeladen war ihr Leben - das ist doch klar
und wenn es abends bei der Näharbeit war
doch für Hilde nicht genug mit all dem Wirken
ein Bauernhaus in der Marsch mußte her - mit ganz vielen Birken
fortan galt ihr ganzes Streben zusammen mit ihrem Mann Klaus
aus der alten Ruine zu machen ein bewohnbares Haus
wenn man heute mit Bedacht
dem Anwesen in Nortorf eine Visite macht
so stellt man ohne Übertreibung fest
hier ist entstanden ein liebevolles Heim - ein Nest - in dem sich`s in Ruhe leben läßt
doch wie das Schiksal im Leben so spielt
die damit verbundene Lebensplanung gehörig aus den Fugen geriet
obwohl die Chancen sehr gering
Hildegard Ulrichs dem Morbus Parkinson ins Netz ging
es ist eine unheilbare Krankheit - oh graus
bei ihr sehen selbst junge Menschen ganz alt aus
es gibt dabei die unterschiedlichsten Formen
zum Beispiel - durch Verlangsamung der Bewegungen, Versteifung der Muskeln und
zittern der Glieder- weicht man ab von den Normen
obwohl geistig topfit
macht die Koordination der Muskeln nicht mit
in der täglichen Praxis bedeutet dies für Hilde nun
sie kann vieles nicht mehr - manches nur noch langsam tun
beginnen tut der Kampf - mit Tabletten schlucken und Anziehen - am Morgen
über Zeitbedarf - für Essen, Trinken und das sonstige Tun - braucht sie sich bis zum Abend nicht zu sorgen
das tolle an Hilde - sie ist trotz allem Optimist
obwohl sie weiß, daß so ein Leben nicht lebenswert ist
drei Parkinson-Kuraufenthalte im Süden
weckten neue Lebensgeister der bis dahin so müden
sie ließ sich trotz Krankheit und reifem Alter von Liebesgott Amor küssen
und wollte die Gemeinschaft junger Parkinsonkranker nicht mehr missen
drum flog sie weit nach Süden aus
direkt zu Hermann ins Adlerhaus
dort lebt sie fortan glücklich und zufrieden - kommt mit der Krankheit gut aus
späht jetzt vor allem auf Euer Kommen von drauß
Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung
Entenfang 7, D-61197 Florstadt-Staden
Telefon: 06035/970306, FAX: 06035/970307
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